IMGROLD240Eine der wohl schillerndsten Figuren im Formel-1-Zirkus ist der Teamchef von Renault, der Italiener Flavio Briatore. Wie es sich für einen Teamchef gehört, hat er einiges zu sagen, was von Interesse ist.
"Du bist jetzt seit zwei Jahren Chef des Renault-F1-Teams. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Enstone und Viry-Chatillon?"
"Zuerst einmal sei gesagt, dass die Mannschaft in allen Punkte große Fortschritte gemacht hat. Die guten Ergebnisse heuer zeigen die gute Arbeit, die alle im Team geleistet haben, egal auf welcher Seite des Ärmelkanals sie tätig sind. Wir sind ohne Zweifel ein eingespieltes Team."
"Hat der Umstand, dass man Dir zu Beginn der letzten Saison die Verantwortung über die Motorenabteilung übertragen hat, irgendetwas verändert?"
"Nun, wir konnten die Koordination zwischen Enstone und Viry noch verbessern und wir wissen ganz genau, wo wir stehen. Beide Teams verfügen über fantastische Ingenieure und unser Erfolg wird auch dadurch bestimmt, wie wohl diese sich bei uns fühlen. Wir können schneller reagieren und wir können verraten, dass wir in der nächsten Saison über einen sehr starken Motor verfügen werden. Außerdem arbeiten wir bereits am Motor für 2005. Wir sind sehr zuversichtlich – und das ist sehr wichtig."
"Es gibt also keine Probleme bei der Integration des Motors in das Chassis?"
"Nicht die geringsten. Wir haben unsere wichtigen Entscheidungen bereits vor acht Monaten getroffen und hatten daher sehr viel Zeit ein Auto zu entwickeln, dass gut zu einer eher traditionellen Motorkonfiguration passt. Unsere beiden Teams, geleitet vom technischen Direktor Bob Bell und vom Chefdesigner Mark Smith haben wunderbare Arbeit geleistet."
"Die Leistungssteigerung heuer war beeindruckend. Von einem starken Außenseiter zu Saisonbeginn hat man sich zu einem Team entwickelt, dass immer mitreden konnte, wenn es um Podestplätze ging."
"Wie gesagt, wir haben und in allen Punkten verbessert. Das Chassis hat vielleicht den größten Entwicklungssprung gesehen, speziell das Update ab Silverstone war ein wichtiger Faktor. Aber auch der Motor wurde einem intensiven Entwicklungsprogramm unterzogen und hat in der zweiten Saisonhälfte Stärke gezeigt. Wie sehr sich unsere Fahrer im Laufe des Jahres gesteigert haben, muss man hier nicht extra betonen. Die Teamstrategie war gut und wir konnten die neuen Regeln optimal nützen. Kurz und gut, Renault war in Suzuka ein besseres Team als in Melbourne."
"Wie haben sich all diese Verbesserungen auf die Moral ausgewirkt?"
"Dass wir bereits ab dem zweiten Rennen im Kampf um die Pole-Position und auch das Podium dabei waren, war eine schöne Belohnung für all die Anstrengungen. Wenn es gut läuft, wenn die Leistung stimmt und wenn man um Siege kämpfen kann, dann stimmt die Motivation automatisch. In Enstone und Viry fühlt man richtig, wie jeder in der nächsten Saison alles geben will."
"Haben die starken Leistungen bei den Rennen so manchen Kritiker verstummen lassen?"
"So manche unsere Entscheidungen, so etwa die Heathrow-Tests (Anm.: hier handelt es sich um die sogenannten privaten Tests am Freitag-Vormittag) hat einige sarkastische Kommentare ausgelöst. Unsere Podestplätze und der Sieg in Ungarn waren die beste Antwort. Wir haben gezeigt, dass man in Zukunft mit uns rechnen muss."
"Gibt es eine Philosophie für das Renault-F1-Team?"
"Natürlich. Zuerst einmal, wir tun was für den Renault-Konzern am besten ist. Wir haben unsere eigenen Ideen und wir sind der Meinung, dass wir die Dinge nicht so angehen sollten wie zum Beispiel Ferrari, Williams und McLaren. Warum? Ganz einfach, wir wollen Sie besiegen!"
"Es gab 2003 zehn Ausfälle bei 32 Starts – bist du enttäuscht?"
"Selbstverständlich hatten wir eine bessere Zuverlässigkeit im Auge, hier waren wir heuer nicht so gut wie erhofft, da gibt es noch viel Arbeit. Wir wussten aber, wie schwierig es sein würde und dass es nicht leicht sein würde, unser Aggregat zu absolut perfekter Arbeit zu überreden. Deswegen haben wir uns auch entschlossen, im nächsten Jahr ein Konzept zu wählen, dass wir leichter überschauen können."
"Wie geht es denn überhaupt mit dem Motor für 2004 weiter?"
"Die neuen Regeln 2004 fordern eine Laufleistung von 700 Kilometern pro Motor und das bedingt massive Änderungen in der Technik. Wir haben unser möglichstes getan und werden permanent an Verbesserungen arbeiten. Im Moment sieht es sehr gut aus, die ersten Ausdauertests im Simulator sind sehr gut verlaufen."
"Die Zeichen sind also positiv?"
"Ja, aber was wir nicht vergessen dürfen, ist der Umstand, dass wir 2004 einen noch größeren Schritt machen müssen als 2003. Aber das ist gut so: Wir lieben die Herausforderung."
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+ 10.11.2003 FH

