IMGROLD302Er leistet über 900 PS, wiegt weniger als 90 Kilogramm und dreht in der Spitze 19.200 U/min: Der BMW-P83-Motor, mit dem das BMW-Williams-F1-Team in der Saison 2003 um den Weltmeistertitel in der Formel 1 kämpft, wird nach dem Finale in drei Wochen beim Großen Preis von Japan in Rente verabschiedet. Über das stärkste Stück aus der Münchner Formel-1-Fabrik sind bislang kaum mehr als grobe Eckdaten veröffentlicht. Vor den beiden noch verbleibenden Saisonrennen in Indianapolis (28. September) und Suzuka (12. Oktober) wird sein Steckbrief nun ergänzt.
Wer wüsste beispielsweise schon, dass für den Motor 1950 CAD-Zeichnungen angefertigt wurden. Druckte man sie alle aus und reihte sie aneinander, ergäben sie eine Strecke von 1,3 Kilometern.
Im Rennen ist die Drehzahl auf maximal 19.000 U/min begrenzt, die Leerlaufdrehzahl beträgt 4.000 U/min. Der Motor wiegt weniger als 90 Kilogramm und er erbringt eine Laufleistung von 500 Kilometern, ehe er revidiert wird. 200 Exemplare des BMW-P83 werden insgesamt gebaut, jeweils zehn Triebwerke nimmt das Team mit zum Rennen. Der Motor erfährt bis zum Ende seiner Dienstzeit 1.388 Maßnahmen zur Weiterentwicklung. Er besteht aus rund 5.000 Einzelteilen, davon sind 1.000 unterschiedlich. Das Volumen der Ansaugluft beträgt 1.995 Kubikmeter pro Stunde, die maximale Kolbenbeschleunigung beträgt 10.000 g. Die Kolbengeschwindigkeit liegt in der Spitze bei 40 Metern pro Sekunde, im Mittel beträgt sie 25 Meter pro Sekunde und am Auspuff werden bis zu 950 Grad Hitze erreicht. Die maximale Lufttemperatur im Pneumatiksystem beträgt 250 Grad.
Die ultraschnelle 130R-Kurve in Suzuka stellt mit einer Querbeschleunigung von 4 g die höchsten Anforderungen an den Ölkreislauf. Den höchsten Volllastanteil musste der BMW P83 mit 73 Prozent pro Runde auf der Rennstrecke von Monza aushalten.
Durchschnittlich 3100 Schaltvorgängen müssen Getriebe und Motor beim Großen Preis von Monaco standhalten. Motorblock und Zylinderkopf bestehen aus Aluminiumguss und werden in der BMW Formel-1-Gießerei in Landshut in einem speziellen Dünngussverfahren gefertigt.
Bei BMW in München erfolgen u.a.: Herstellung der Kurbelwelle (Stahl), der Nockenwelle (Einsatzstahl), der Nockenwellenhauben sowie die Bearbeitung von Zylinderkopf und Kurbelgehäuse. Auch das Ölsystem und die Motorelektronik sind Münchner BMW-Produkte.
Zeitleiste des BMW 83 Motors vom Entwurf bis zum Finale:
Konzeption: November und Dezember 2001
Konstruktion: Januar bis einschließlich Mai 2002
Modellbau in der BMW Gießerei Landshut: März bis einschließlich Mai 2002
Teilefertigung: April bis einschließlich Juli 2002
Erstaufbau: Juli 2002
Erster Prüfstandslauf: 31. Juli 2002
Testphase Baustufe 1: August 2002 bis einschließlich Januar 2003
Erster Testeinsatz im Fahrzeug: 18. September 2002
Entwicklung zur Rennreife: Oktober 2002 bis Mitte Februar 2003
Weiterentwicklung: Mitte Februar bis Saisonfinale im Oktober 2003
Unterdessen ist die Testphase des BMW P84 Motors angelaufen. Nach erfolgreichen Prüfstandsläufen wurde er in seiner Spezifikation für die Saison 2004 bereits bei Testfahrten in Monza am 4. September 2003 im Fahrbetrieb erprobt.
Wenn man anhand der Zeitleiste zurückrechnet, kommt man drauf, dass vor fast zwei Jahren die ersten Zeichnungen für den aktuellen Motor angefertigt wurden. Wenn man annimmt, dass man sich bei BMW weiter ähnliche Vorgaben gibt, dann lässt sich einfach errechnen, dass in den nächsten 10 Wochen die ersten Konzepte für den Motor des Jahrganges 2005 auf den Tischen liegen werden.
Unter diesen Gesichtspunkten kann man die Begeisterung nachvollziehen, die bei den Teams und Ausrüstern herrscht, wenn die FIA eine kurzfristige Änderung im technischen Reglement vornimmt.
-
+ 22.09.2003 FH

