Wir haben uns gedacht, wir möchten Sie mit einem Ausflug in die Vergangenheit überraschen und blicken exakt 14 Jahre in die Vergangenheit und erinnern uns an den Grand Prix von Belgien 1989, der am heutigen 27. August ausgetragen wurde.
Für dieses Rennen meldeten sich sage und schreibe 39 Piloten an, darunter Sieganwärter wie Enrico Bertaggi auf Coloni-Cosworth oder Gregor Foitek auf Eurobrun-Judd. Wie in jenen Tagen der vielen Team üblich, musste eine Anzahl Piloten vor dem eigentlich Qualifying ein sogenanntes Pre-Qualifying – also Vorqualifying – austragen. Die ersten vier dieser Session durften dann beim eigentlichen Qualifying antreten, in welchem die 26 startberechtigten Piloten ermittelt wurden.
Die Pole-Position holte sich der unvergessene Brasilianer Ayrton Senna auf McLaren-Honda vor seinem Teamkollegen Alain Prost. Dritter am Start übrigens der heutige BMW-Motorsportdirektor Gerhard Berger, dem wir bei dieser Gelegenheit übrigens herzlich zu seinem heutigen 44. Geburtstag gratulieren möchten.
Sehr unangenehm verlief das Qualifying übrigens für das damals noch immer starke Team von Lotus-Judd, denn weder der zu diesem Zeitpunkt bereits dreifache Champion Nelson Piquet noch Satoru Nakajima konnten sich qualifizieren. Piquet hatte ziemliches Pech, denn im ersten offiziellen Qualifying am Freitag hätte er sich locker als 12. qualifiziert, doch da es am Samstag trocken blieb, waren die Freitag–Zeiten natürlich nichts mehr wert. Bei seinem ersten Versuch wurde der Brasilianer mehrfach blockiert und brach seine Runde ab, beim zweiten Versuch rollte der Wagen urplötzlich mitten auf der Strecke aus und das Ersatzauto ließ sich wegen elektronischer Probleme nicht starten.
Am Renntag regnet es wieder fürchterlich und einige Piloten möchten sogar hinter einem "Tourenwagen, der das Feld zusammenhält", starten. Heute würde man diesen "Tourenwagen, der das Feld zusammenhält", der Einfachheit halber Safety-Car nennen, aber dieser Begriff war in den damaligen Regeln nicht existent.
Den Start gewann der Brasilianer Senna und konnte sich Runde für Runde von seinem Teamkollegen – wenn Sie möchten, können Sie auch das Wort Erzfeind einsetzen – Alain Prost absetzen. Der einzige, der anfangs mit den McLarens mithalten kann, ist Geburtstagskind Gerhard Berger, der ein ungeheures Risiko eingeht. Er hat als einziger seinen Boliden – es ist ein Ferrari F1-89 – tieferlegen statt höhersetzen lassen. Der Tiroler fährt praktisch im Getriebe des Franzosen, doch in der 9. Runde kann er seinen Wagen nicht mehr abfangen und fliegt in der Eau Rouge ab. Glück für Berger, noch mehr Glück für die Streckenposten, ein dort abgestellter Tyrrell war eine knappe Minute zuvor entfernt worden.
Im weiteren Verlauf des Rennens schiebt sich die Spitze immer enger zusammen und am Ende überqueren die ersten Drei, nämlich Senna, Prost und Mansell die Ziellinie innerhalb von einer Sekunden. Die Extraklasse dieser drei Herren ist auch am Umstand erkennbar, dass der Vierter, der Belgier Boutsen mit fast einer vollen Minute Rückstand die schwarz-weiss-karierte Flagge sieht.
Wie schlimm die Bedingungen waren, zeigt vielleicht auch die folgende kleine Statistik: 26 Starter, davon 10 Ausfälle, acht dieser 10 Ausfälle waren auf Unfälle zurückzuführen, da die Fahrer im Regen und Nebel von Spa schlicht und ergreifend die Herrschaft über ihren Boliden verloren hatten...
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+ 27.08.2003 FH

