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GTA-Spiel angeblich schuld an einer Gewalttat

Zwei Jugendliche, die unter Mordverdacht stehen, haben sich angeblich ein Spiel aus der Gran Theft Auto-Reihe als Vorbild zu ihrer Bluttat genommen.

Welcher Spiele-Fan kennt nicht zumindest einen Teil aus der GTA-Serie, wo man sich hauptsächlich damit beschäftigt, eine doch eindeutig kriminelle Karriere einzuschlagen. Jetzt sollen die Macher des Spiels in den USA vor Gericht kommen, denn zwei jugendliche Straftäter haben angegeben, dass sie von einem dieser Spiele zu einer Gewalttat motiviert wurden, weswegen die Hinterbliebenen des Opfers eine Klage gegen die Spielefirma Take 2 anstrengen.

Laut US-amerikanischen Medienberichten haben der 16-jährige Williams Buckner und sein 14-jähriger Bruder am 25. Juni 2003 mit einer Schusswaffe das Feuer auf vorbeifahrende Autos eröffnet. Bei der Vernehmung durch die zuständigen Behörden haben die Brüder zu Protokoll gegeben, dass sie nicht vorgehabt hätten, Menschen zu verletzen.

Die Realität war jedoch anders, sie war tödlich.

Eine junge – 19-jährige – Frau hat noch immer acht Schrotkugeln in ihrem Körper, sie wurde vom Geschoss der Brüder getroffen, als sie an der Seite ihres Freundes an den Brüdern vorbeifuhr, die in diesem Moment das Feuer eröffneten.

Aaron Hamel, ein 45-jähriger Krankenpfleger, der in einem anderen Fahrzeug unterwegs war, wurde von den Schüssen der Brüder tödlich verletzt. Er war mit seiner Kusine Denise Deneau auf der Rückreise von einer ausgedehnten Reise, als ihn plötzlich und ohne Vorwarnung ein Projektil in die Schläfe traf. So brutal es auch klingen mag, seine Kusine hatte bei diesem ganzen Unglück offenbar noch einige Schutzengel auf ihrer Seite, denn der tödlich verletzte Aaron verlor natürlich das Fahrzeug bei rund 70 Meilen pro Stunde – also rund 110 km/h – aus der Kontrolle, geriet in den Gegenverkehr und prallte schließlich gegen die Leitplanken. Abgesehen von einem schweren Schock blieb Denise Deneau dabei unverletzt.

Die beiden Schützen, die sich offenbar bereits der Verbrechen Mord, Überfall und Gefährdung der Allgemeinheit schuldig bekannt haben, werden in einer Jugendstrafanstalt einsitzen, bis sie das 19. Lebensjahr vollendet haben. Wie lange sie danach in einer normalen Strafanstalt einsitzen werden, wird das Gericht noch zu entscheiden haben.

Einige Auszüge aus den Briefen der beiden Brüder lauten wie folgt:

"Ich werde mich immer dafür hassen, was ich getan habe", schrieb etwa William Buckner (16).

"Ich wollte niemanden verletzen, das wird mich den Rest meines Lebens begleiten", so Joshua (14).

Seitens der Hamel-Familie wird jetzt eine Klage gegen den Spieleproduzenten eingebracht, der laut ihrer Meinung offenbar die Schuld oder zumindest eine gewisse Teilschuld an den schrecklichen Vorkommnissen trägt. Nicht zum ersten Mal wird ein PC- oder Konsolenspiel also zumindest indirekt als Auslöser für ein Verbrechen genannt.

Wenn man hinter die Fassade dieser fürchterlichen Tragödie blickt, bleibt jedoch Raum für eine Menge anderer Standpunkt zum Thema Gewalt im Allgemeinen und wie man solch sinnlose Fälle im Speziellen verhindern könnte.

Wie immer in solchen Fällen übrig, tritt sofort der Beißreflex "die Computerspiele sind an allem schuld" in Kraft, ohne zu überlegen, ob es nicht andere Faktoren gibt, die zumindest eine gewisse Mitverantwortung tragen.

Um welchen Haushalt muss es sich bei dem der Buckner´s handeln, dass es zwei Jugendlichen offenbar recht einfach gelingen kann, an Schusswaffen samt Munition zu kommen?

Sollten verantwortungsvolle Eltern nicht schon aus Sorge um die eigenen Kinder bemüht sein, Schusswaffen so sicher zu verstauen, dass diese nicht offenbar leicht zugänglich sind – wenn man denn schon der Meinung ist, eine Waffe besitzen zu müssen?

Welche anderen Faktoren gibt es noch, die es zu berücksichtigen gilt? Sind die Buckner´s eine doch recht übliche US-amerikanische Familie, bei denen das TV-Gerät rund 18 Stunden täglich läuft? Laut einer bereits ein paar Jahre alten Studie hat der kleine Harry aus Nebraska oder die kleine Carol aus New York bis zum Erreichen des 19 Lebensjahres 15.000 Gewaltverbrechen im Fernsehen verfolgt – die allermeisten in Form von Fernsehserien und Spielfilmen, wo das Töten oftmals in Superzeitlupe und immer wieder als besondere Heldentat dargestellt wird. Wäre es nicht Zeit, endlich einmal das Fernsehen und Kino zu verbieten?

Wieviele Gewaltverbrechen geschehen unter Alkoholeinfluss? Wieso wird nicht weltweit sämtlicher Alkoholgenuss verboten?

Wieviele Ausschreitungen und Prügeleien passieren im Umfeld von sportlichen Veranstaltungen, speziell im Umfeld von Fußballspielen? Wieso wird nicht die Bundesliga abgeschafft?

In vielen Ländern sind gewisse Computerspiele verboten oder nur ab einem gewissen Alter zugänglich (etwa in Deutschland), da immer wieder argumentiert wird, dass Computerspiele brutalisieren. Diese Art der gesetzlichen Einschränkung gibt es z. B. in Österreich nicht, wieso passieren also in der Alpenrepublik nicht wesentlich mehr jener fürchterlichen Tragödien wie jene vor noch nicht allzu langer Zeit in Erfurt? Auch hier wurde überwiegend ein PC-Spiel als Hauptauslöser einer Bluttat genannt.

Welche Antworten kann man auf all diese Fragen geben?

Erstens wäre die Tragödie in den USA mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passiert, wenn keine Schusswaffe zur Hand bzw. leicht erreichbar gewesen wäre.

Zweitens kann man wohl nicht ein einzelnes Computerspiel für eine wahnwitzige Tat verantwortlich machen, denn man darf annehmen, dass hier wahrscheinlich auch ein liebloses oder zumindest gleichgültiges Elternhaus einen traurigen Anteil mitzuverantworten haben. Auch die Konsumation von so manchem supercoolen Actionfilm darf als gegeben angesehen werden. Um wieviel präziser und heroischer als in den meisten Computerspielen der Akt des Tötens in nicht gerade wenigen Hollywood-Filmen gezeigt wird, ist hinlänglich bekannt.

Drittens eine persönliche Anmerkung: Der Autos dieses Artikels besitzt das Programm GTA 3 und ist Vater eines 11-jährigen Sohnes. Mehrfach durfte der 11-Jährige das Spiel GTA 3 – unter Aufsicht – spielen und niemals schien es so, als würde von den Aktionen im Spiel ein besonderer Reiz ausgehen, der ein Nachahmen provozieren würde. Natürlich ist es wichtig, auf ein Kind dieses Alters einzugehen, das Gespräch zu suchen und nicht den lästigen Nachwuchs nervenschonend vor PC oder Konsole zu setzen. Ein Geheimnis sei hier noch verraten: Es ist dem 11-Jährigen kein einziges der im Besitz des Autors stehenden Spiele verboten, dennoch ist der absolute Favorit alles andere als brutal, im Gegenteil, dieser Titel fördert logisches Denken ebenso wie langfristige Planung: FM 2003 von Electronic Arts.

Wir von www.speedmaniacs.de stehen - ebenso wie Ihr - dieser entsetzlichen und tragischen Tat erschüttert und traurig gegenüber – nur eines sei nach diesen vielen Worten schon nochmals in aller Deutlichkeit gesagt:

Nein, PC- und Computerspiele sind nicht immer und auch nicht an allem schuld.





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