Bekanntlich stehen ja mehrere Piloten auf der Liste der möglichen Piloten, die 2004 an der Seite von Mark Webber für Jaguar-Cosworth ins Lenkrad greifen könnten.
Für jeden dieser vier Piloten gibt es einige Pros und auch Contras, die wir im folgenden ein wenig beleuchten möchten, wobei wir uns strikt an die alphabetische Reihenfolge halten werden:
Townsend Bell: Der mittlerweile 28-jährige Pilot aus den USA galt einige Zeit als die große Nachwuchshoffnung der ChampCar-Serie. Nachdem er 2001 beim tragischen Rennen am Lausitz-Ring (man erinnert sich an den fürchterlichen Zanardi-Crash) sein Debüt gegeben hatte, konnte er nur noch ein Rennen in jenem Jahr fahren und in Rockingham einen mageren 12. Platz holen.
2002 lief es dann bei neun Rennen für Patrick Racing etwas besser, doch ein vierter Platz als bestes Ergebnis in den record-books der ChampCar-Serie kann nicht als Empfehlung gelten. Fünf Unfälle in neun Rennen - einer davon in der Einführungsrunde - lassen den Mann aus San Luis Obispo (Kalifornien) als einen Piloten erscheinen, der sein Temperament nicht immer unter Kontrolle hat.
2003 ging er für das Arden-International-Formel-3000-Team an den Start und konnte auch in der kleinen Formel 1 eigentlich nicht überzeugen, Endrang neun kann nicht als Erfolg gewertet werden. Wenigstens konnte er einmal aufs Podest fahren, er holte Rang drei in Ungarn.
Fazit: Townsend Bell ist gelegentlich extrem schnell, aber leider immer wieder für einen Unfall gut. Sein Riesenvorteil ist aber seine Nationalität, denn Mr. Bernie Ecclestone himself wünscht sich sicherilch sehnlichst einen Amerikaner in der Formel 1.
Christian Klien: Der blutjunge Österreicher (er wird am 7. Februar 21 Jahre) hat bereits eine beeindruckende Erfolgsserie aufzuweisen. Klien, der den klassischen Weg über die Karts hinter sich hat, fuhr in der heurigen Saison in der Formel-3-Euro Serie.
Christian, der heuer bei 21 Starts 14 Punkteankünfte zu verzeichnen hatte, konnte volle neun Mal auf das Podest der ersten Drei klettern, darunter sind vier Siege.
Aber der Triumph schlechthin ist wohl der Sieg bei der inoffiziellen Formel-3-WM, beim Marlboro-Masters in Zandvoort.
Fazit: Der junge Mann aus Hohenems ist sauschnell, dabei beständig und produziert wenige Unfälle. Zusammen mit der Unterstützung von Red Bull könnte hier die nächste österreichische Formel-1-Hoffnung heranreifen, die Frage ist nur, ob die Mächtigen der F1 an einem weiteren deutschsprachigen Piloten interessiert sind.
Justin Wilson: Der baumlange Brite, der seine noch sehr junge Formel-1-Karriere heuer beim beliebten, aber unterfinanzierten Minardi-Team begann, scheint keine sehr guten Karten auf einen Verbleib im Team zu haben.
Wilson, der ab Hockenheim im Jaguar-Cosworth saß, musste sich natürlich erst an die Organisation und das Umfeld in einem großen Team gewöhnen, doch gelang es ihm nie so richtig, seinen Vorgänger Antonio Pizzonia vergessen zu machen.
Seinen ersten und einzigen WM-Punkt holte sich Justin in Indianapolis, wo er den achten Platz holen konnte.
Fazit: Wilson gilt im Team als technisch gut und ist auch beliebt, aber ob das zu einem Verbleib bei Jaguar-Cosworth reicht, darf bezweifelt werden. Ein kleiner Vorteil könnte seine Nationalität sein.
Alexander Wurz: Der auch nicht mehr ganz taufrische Niederösterreicher (wird im nächsten Februar bereits 30) hat bereits mehrere Saison Formel-1-Erfahrung aufzuweisen. Nach seinen Benetton-Jahren, die allerdings eher unrühmlich endeten, gilt er in der Szene als einer der besten – wenn nicht der beste überhaupt – Testfahrer.
Wenn man allerdings kritisch an den Piloten Alexander Wurz herangeht, dann lässt sich feststellen, dass Xandl bei freier Fahrt extrem schnell unterwegs ist, aber wenn es ans Überholen geht doch ein wenig zögerlich agiert. Bei den vielen Überholmöglichkeiten, die die moderne Formel 1 geht, ein Manko, dass man sich kaum leisten kann.
Allerdings verfügt der Wahl-Monegasse über exzellente Verbindungen zu Red-Bull-Boss Didi Mateschitz, der offenbar entschlossen sein dürfte, einem Österreicher ein Formel-1-Cockpit – vorzugsweise bei Jaguar-Cosworth – zu verschaffen.
Fazit: Wurz bringt wohl jede Menge Know-How von McLaren-Mercedes mit, verfügt über einen extrem potenten Sponsor, ist aber kein Pilot der Extra-Klasse.
Nach all den Vor- und Nachteilen könnte man es in wenige Sätze fassen:
Jaguar-Cosworth sollte wohl das Risiko eingehen und Christian Klien ins Auto setzen, der junge Mann hat zweifellos Potenzial und einen Sponsor der Extraklasse. Townsend Bell ist Amerikaner und wäre für die Formel 1 an sich sehr wichtig, verschrottet aber zu viele Autos.
Die Entscheidung sollte also wohl lauten: Christian Klien fährt für Jaguar-Cosworth Rennen und Townsend Bell wird Testfahrer. Alex Wurz bleibt bei McLaren-Mercedes dritter Pilot, denn dort bringt er seine besten Leistungen und Justin Wilson sollte wohl den Weg zurück zu seinen Wurzeln suchen, also zu Minardi.
-
+ 15.11.2003 FH

