Der Druck, aber auch die Zielsetzung könnten kaum größer ausfallen: Entwickler Codemasters, der sich in der Vergangenheit durch technisch und spielerisch herausragende Titel wie etwa DiRT 2 oder Race Driver: GRID auszeichnete, wagt sich nun an eines der lukrativsten und aufwändigsten Projekte der Firmengeschichte, gewissermaßen der "Heilige Gral" der Rennspielwelt: die virtuelle Umsetzung der Formel 1.
Unzählige Spiele sind bereits erschienen, immer mit dem Ziel vor Augen nicht nur eine realistische Fahrphysik zu schaffen, sondern auch die einzigartige Dynamik, das eigene Lebensgefühl, das diese Serie ausstrahlt, virtuell zu vermitteln, dem Spieler wirklich das furiose Gefühl zu verleihen, er befände sich inmitten von Glanz und Glamour, rase selbst mit über 300 km/h über die Piste, während das Adrenalin in seinen Adern pocht.
Codemasters setzt sich nun das Ziel, alle Facetten dieses Sports in nie dagewesener Vielfalt zu vermitteln, um zu erleben was es heißt das Leben eines Formel-1-Fahrers zu führen. Eine weitere große Schwierigkeit besteht neben der authentischen Darstellung natürlich auch darin, dieses Spielvergnügen auch für alle zugänglich zu machen, denn schließlich gibt es genügend Leute, die erst durch die spannende Saison 2009, das Comeback von Michael Schumacher oder die Erfolge von Sebastian Vettel zur Serie gefunden haben und bezüglich der virtuellen Umsetzung nicht benachteiligt werden möchten.
Es gilt also, eine in der Schwierigkeit regulierbare Physik zu konzipieren, die einerseits einen schnellen und unkomplizierten Einstieg ermöglicht und andererseits erfahreneren Piloten in realistischer Weise verdeutlicht, wie schwierig es ist, die Boliden mit rund 800 PS am Limit zu bewegen. Codemasters möchte mit F1 2010 jeden Fan und Gamer an der Formel 1 teilhaben lassen und deshalb für ein perfekt ausbalanciertes Spielerlebnis inklusive Einsteiger- und Veteranentauglichkeit sorgen.
Die Grafik
An dem in wahrsten Sinne des Wortes offensichtlichsten Gesichtspunkt, der Grafik, hat Codemasters wie in jedem Jahr wieder konstruktiv gearbeitet und die EGO-Engine, die bereits seit dem Jahr 2007 verwendet wird, noch eimal einer intensiven Schönheitsoperation unterzogen, um die optische Illusion der Realität noch glaubwürdiger wirken zu lassen. Aber nicht nur die Objekt- und Polygonenanzahl wurde im Vergleich zu DiRT 2 massiv erhöht, sondern auch komplett neue Effekte wie ein neuartiges dynamisches Wettersystem inklusive verblüffend echt aussehender Regenschauer, abtrocknender Strecken und Wetterveränderungen während des Rennens, die den Spieler zu einer raschen Veränderung seiner Rennstrategie zwingen, werden geboten.
Ferner wird F1 2010 mit der Realität zum Verwechseln ähnlichen Fahrzeugdarstellungen aller Boliden der Saison 2010, sowie mit extra gestalteten Fahrergesichtern und bis auf den Millimeter exakten Darstellungen aller 19 Kurse des Formel-1-Kalenders, von Hockenheim bis Abu Dhabi, aufwarten. Wobei auch dynamische Tag-und-Nachtwechsel die Fahrt zusätzlich versüßen sollen. Zudem wird wie bereits in DiRT 2 auf dem PC DirectX 11 unterstützt und somit dank Effekten wie Tesselation oder verbesserter Beleuchtung ein bisher unerreichtes Grafikfeuerwerk auf den Bildschirm gezaubert. Ebenfalls PC-exklusiv ist die Unterstützung des IR Tracker-Systems, welches die horizontalen und vertikalen Kopfbewegungen des Spielers bei Besitz eines entsprechenden Geräts über Sensoren an ein auf dem Bildschirm platziertes Modul weiterleitet und somit ins Spiel übertragt, was einerseits der Rennatmosphäre zuträglich ist und dem Fahrer konkrete Vorteile, wie etwa das frühere Erkennen von Scheitelpunkten in Kurven, bietet.
Die Fahrphysik
Obwohl ursprünglich ein Erscheinen zum Beginn der Saison auf Basis der Daten des Vorjahres geplant war, entschieden sich die Entwickler für ein Release im Herbst mit allen Fahrern, Teams und Strecken der aktuellen Saison, um das Fahrverhalten der Fahrzeuge weiter zu perfektionieren. Jedes noch so kleine Teil eines Formel-1-Wagens, das in welcher Form auch immer die Physik beeinflusst, wird ins Spiel integriert, um so das Erlebnis an Authentizität gewinnen zu lassen. So haben etwa Regenschauer realistische Auswirkungen auf den Grip und damit die Handhabung des Fahrzeuges; die Bremspunkte werden nach vorne verlagert und die Linienwahl muss seitens des Fahrers verändert werden, um nicht ein Rendezvous mit dem Kiesbett zu erhalten.
Zudem machen sich im Verlauf des Rennens in realem Maße die Reifenabnutzung und das Abnehmen des Tankinhalts bemerkbar, was gerade dann zum Problem werden kann, wenn das Auto beispielsweise, wie im vollständig im Spiel enthaltenen aktuellen Reglement vorgesehen, mit einem der beiden Reifentypen, die im Laufe des Rennens genutzt werden müssen, auf Kriegsfuß steht oder wenn der ständig schwindende Tankinhalt die Fahreigenschaften zu Ungunsten des Spielers verkehrt. Ferner gibt es eine physikalisch korrekte Simulation der Veränderung der Ideallinie während des Rennens, die, infolge des Gummiabriebs der Wagen auch an Haftung gewinnt.
Natürlich zählt ebenfalls eine vollständige Kollisionsphysik mit voll entwickeltem Schadensmodell, das vor allem bei brachialen Unfällen seine ganze Schönheit entfaltet, zum Repertoire des Spiels, selbstverständlich mit Auswirkungen auf das Fahrverhalten. So haben, zumindest in den höheren Schwierigkeitsgraden, allzu unvorsichtige Spieler mit Aufhängungsdefekten, Plattfüßen et cetera zu kämpfen, die sich jedoch in der Boxengasse reparieren lassen. Apropos Box: Codemasters entwickelt für das Spiel eine vollständige, im Motion Capturing-Verfahren animierte Boxencrew sowie eine dem realen Verlauf entsprechende Boxengasse, in der ihr, falls ihr im überaus hektischen Renngeschehen die nötige Zeit finden solltet, auch dem Boxenmannschaften der anderen Teams zusehen könnt.
Der Karrieremodus
Das Herzstück des Einzelspielermodus ist natürlich die Karriere und auch dafür hat sich Codemasters etwas ganz Besonderes überlegt: Der Spieler darf sich zunächst sein virtuelles Alter Ego erstellen und es mit allen Finessen, wie etwa dem Aussehen, der Farbe des Helmes oder des feuerfesten Overalls versehen und dann, den Angeboten der Teams entsprechend, die vom eigenen Manager unterbreitet werden, einem Rennstall beitreten lassen. Natürlich werden diese Angebote zunächst nicht von den vier Topteams stammen, sondern eher von Toro Rosso oder Virgin. Doch je weiter man sich im Laufe der Rennen die Karriereleiter hinaufarbeitet, desto besser werden Team, Gehalt und fahrbarer Untersatz. Da das Spiel insgesamt unter dem Motto "Be the driver, live the life" steht, wird, immer getreu dem Motto "Mittendrin statt nur dabei" auch die gesamte atmosphärische Szenerie vor und nach den Rennen simuliert, so wird es auch eine virtuelle Pressekonferenz inklusive kontextsensitiver Fragen und Antworten geben, um dem Spieler das Gefühl auskosten zu lassen, wie es ist, im "Kreuzfeuer" der Journalisten zu stehen.
Das Entwicklerteam
Die Entwicklung eines Formel-1-Spiels ist immer ein großes, aufwändiges Projekt, das absolute Kompetenz und Konzentration seitens der beteiligten Personen erfordert. Auf Grund der langjährigen Erfahrungen im Rennspielebereich, erscheint Codemasters hierfür geradezu prädestiniert. In der jüngsten Vergangenheit hat man mit den bereits angesprochenen Titeln Race Driver: GRID und Colin McRae: DiRT 2 für ein nahezu cineastisches Grafikfeuerwerk gesorgt und wusste hierbei mit einer gelungenen Arcade-Fahrphysik zu brillieren. Nicht zuletzt mit der DTM Race Driver-Serie hat man jedoch bewiesen, dass man sich auch auf gehaltvollerem Terrain problemlos zurechtfindet.
Zudem wurde das Entwicklerteam derart hochkarätig besetzt, dass die Chancen auf einen neuen Referenztitel blendend stehen: Der ausführende Produzent, Paul Jeal, etwa sammelte zu Beginn seiner Karriere bereits Rennspielerfahrung in der Qualitätssicherung von Geoff Crammonds berühmtem Grand Prix 3. Erfreulich ist außerdem, dass man, wie schon im Vorjahr, den ehemaligen Formel-1-Piloten Anthony Davidson, zuletzt Testfahrer bei Brawn GP, mit ins Boot holte, der den Entwicklern wichtige Hilfestellungen während der Produktionsphase gibt und das Gebotene kritisch aus der Perspektive eines professionellen Fahrer analysiert.
Mehrspieler- und Onlinefunktionen
Die Formel 1 ist ein Sport der Menschen weltweit verbindet und auch über Ländergrenzen hinweg zusammenkommen lässt. Ganz in diesem Sinne fallen auch die Onlinefunktionen des Spiels aus, obwohl Codemasters diesbezüglich bislang noch nicht viele Infos mitgeteilt hat. Sicher ist allerdings, dass F1 2010 auch online diverse Spielmodi liefern wird. Wer also irgendwann genug davon hat, sich mit den virtuellen Pendants eines Jenson Button, Felipe Massa oder Nico Rosberg herumzuschlagen und den knallharten Vergleich mit seinesgleichen sucht, darf sich über Games for Windows Live, das PlayStation Network und Xbox Live mit Fans aus der ganzen Welt messen.
Genaueres steht noch in den Sternen, sodass die Spannung noch bis in den September hinein erhalten bleiben wird, wenn die Ampel endlich auf Grün umspringt und Millionen Fans die Faszination der Formel 1 auf PC, PlayStation 3 und Xbox 360 hautnah erleben dürfen. Schon jetzt deutet aber vieles darauf hin, dass F1 2010 die beste Umsetzung der Königsklasse des Motorsports aller Zeiten werden dürfte.
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5 06.04.2010 Julian Zanken
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